Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – Maria Braig

Mit ihrem Buch „Die Guten ins Töpfen, die Schlechten ins Kröpfchen“ gibt die Autorin Maria Braig einen Einblick in die Arbeit einer Asylentscheiderin. Nach dem Gesetz und mit bestem Wissen und Gewissen soll sie entscheiden, welcher Flüchtling in Deutschland bleiben darf und welcher abgeschoben wird, dass dies keine leichte Aufgabe ist und selbst die Bearbeiter dieser Anträge vor so manche Herausforderung und Gewissensfrage stellen kann, kann sich sicherlich jeder vorstellen. Nicht zuletzt steckt hinter jedem Asylantrag auch ein Menschenschicksal.

Coverabdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin

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„… ich entschied nicht über Leben und Tod und auch nicht über das Recht darauf, ein bestimmtes Leben zu führen. Die Entscheidung war doch längst gefallen. War von anderen getroffen und in Gesetze gegossen worden. Ich sortierte lediglich die Menschen anhand eben dieser Gesetze in die passende Box, ich entschied lediglich, wer wo seinen Platz hatte. Und wer meinte in der falschen Box gelandet zu sein, konnte ja immer noch gegen meine kleine Entscheidung vor Gericht ziehen.“ (Zitat aus dem Buch S. 125)

Die Autorin schreibt offen und ehrlich von ihrem Werdegang von der Postbeamtin, die Jahrelang am Schalter stand und Kunden bediente, ihrer Vorstellung und Entscheidung sich zur Asylentscheiderin umschulen zu lassen und vor welche Herausforderung sie dieser Job dann tagtäglich stellte. Dabei schreibt sie auch von Machtlosigkeit und psychischen Problemen, die für sie vor Gericht und mit einer schweren Depression endeten.

Meinung:

Tagtäglich werden auch wir mit Flüchtlingen konfrontiert, sei es in Berichten von Medien oder im persönlichen Kontakt, doch mal ehrlich, wer hat sich über diese Menschen schon einmal ausführlich Gedanken gemacht? Und wenn dann doch sicherlich in negativer Hinsicht, vielerorts hört man ständig von der Angst der Menschen, Angst davor, das die Kriminalität zu nimmt, das man im eigenen  Land nicht mehr sicher sein kann, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vom eigenen Wohlstand etwas abgeben zu müssen und und und. Doch wer hat sich darüber schon einmal Gedanken gemacht, wer diese Menschen überhaupt sind? Welche Entbehrungen sie in ihrem bisherigen Leben hinnehmen mussten? Welche Gründe diese Menschen bewegt haben ihre Heimat zu verlassen und sich auf eine doch sehr gefährliche Flucht nach Europa zu begeben.

In ihrem Buch zeigt die Autorin nun welche Schicksale hinter diesen Menschen verborgen sein können und gibt der Thematik Flucht und Flüchtlinge ein Gesicht. Ein Gesicht, dass es möglich macht diese Thematik einmal von einer ganz anderen Seite, mit ganz anderen Augen zu betrachten. Und auch wenn dies nur ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein ist, ist dies ein Anfang und ein sehr wichtiger zugleich.

Nebenbei bettet die Autorin ihre Erzählung noch in eine Geschichte zwischen Freundschaft, Anziehungskraft und Zuneigung zweier Frauen zueinander ein. Alles liest sich zwar wie ein Roman, ein Roman der auf Wahrheit, auf Realität beruht. Eine Realität, die uns alle angeht und die man gelesen haben sollte.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt und so einiges vor Augen geführt, über das ich mir so eigentlich noch keine Gedanken gemacht habe, denn um ehrlich zu sein ist es doch viel einfacher alle Menschen über einen Kamm zu scheren, als jedes einzelne Schicksal zu betrachten.

Mein einziger Kritikpunkt ist das abrupte Ende, ein Ende das mich neugierig und mit Fragen zurücklies. Fragen darüber ob Jule wieder in ihrem Job zurückgekehrt ist, wie sie im Nachgang ihren Job betrachtet und was aus den Menschen, deren Fälle hier im Buch beschrieben sind geworden ist. Und neugierig bin ich natürlich auch, was aus der Beziehung zu Cochise geworden ist. Hier wäre ein Nachwort sinnvoll und schön gewesen.

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 17.06.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 17.06.2017
  • Verlag : Verlag 3.0 Zsolt Majsai
  • ISBN: 9783956673115
  • Flexibler Einband 260 Seiten
  • Sprache: Deutsch

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